Unsere Geschichte seit 1895
Unser Heimatverein hat eine lange und interessante Geschichte. Auf unserer Feier zu „130 Jahre Heimatverein“ wurde schon einiges darüber berichtet. Hier soll nun noch einmal ausführlicher darauf eingegangen werden.
Uns Geschicht siet 1895
Use Heimatvereen hett een lange un interessante Geschicht. Op use Fier to „130 Johr Heimatvereen“ is al wat doröver vertellt worrn. Hier schall dat nu noch mal utföhrlicher üm gahn.
Wie 1895 alles begann
In den Jahren vor den Deutsch-Dänischen Kriegen kam es immer wieder zu Konflikten zwischen Dänemark und Deutschland. Es ging um die Zugehörigkeit Schleswig zu Dänemark oder die Einheit von Schleswig und Holstein. In dieser Zeit wurde das antidänische Gedicht „Das Schleilied“ von August Wilhelm Neuber (1841) veröffentlicht. In diesem Gedicht kommen die Zeilen
„Se schölln tosammen blieben
Op ewig ungedeelt!“
vor. Sie wurde wurde zum Kampfbegriff der deutschen Schleswig-Holsteiner in der Schleswig-Holstein-Frage und tritt später im Namen unseres Heimatvereins auf.
Nach den Kriegen zwischen Preußen und Dänemark sowie Preußen und Österreich wurden die Herzogtümer Schleswig und Holstein 1867 preußische Provinz. Die Verwaltung und der Staatsaufbau wurden reformiert, die Industrialisierung nahm Fahrt auf. Die Bevölkerungszahl stieg. Die alten Städte wuchsen und es entstanden neue. Straßen und die Eisenbahn wurde gebaut. Damit ergaben sich bessere und schnellere Transportverbindungen für den Warenverkehr aber auch für den Personenverkehr. Auf der Suche nach Arbeit zog es auch viele Menschen in die Städte. Altona und Hamburg waren zwei lukrative Orte, die viel Arbeit boten. Damit verbunden lösten sich die alten Gesellschaftsstrukturen und Traditionen auf. Diese Änderungen im täglichen Leben führten aber auch zu Verunsicherungen und Ängsten bei vielen Menschen. Der Versuch, an alten Traditionen fest zu halten bzw. zu retten, führte zur Gründung vieler Heimatvereine.
Die Gründungsväter
Am 3. November 1895 ist unser Heimatverein unter dem Namen „Up ewig ungedeelt von 1895“ Verein geborener Schleswig-Holsteiner zu Hamburg e.V. von Männern wie A. Christians, H. Paulsen, H. Rieck, H. Vogt, O. Paulsen und W. Broers unter dem Motto „Die Idee war unser Werk“ gegründet worden. Es war ein reiner Männerverein, bestehend aus heimattreuen Mitgliedern nahezu aller Berufsgruppen. Der Zulauf nach der Gründung war so stark, dass der Verein schon nach fünf Jahren über 1.070 Mitglieder zählte, alle wohnhaft im schon damaligen Bereich des Hamburger Stadtstaates. Bereits 1911 erfolgte die Gründung einer Liedertafel.
Der 1. Weltkrieg und die Weimarer Republik
Die Mitgliederzahl, die im ersten Jahrzehnt des zwanzigsten Jahrhunderts weiter nach oben schnellte, musste durch die Auswirkungen des 1. Weltkrieges zum ersten Mal einen herben Rückschlag hinnehmen. Ein erstes Treffen der nach dem Kriege 1914 / 18 verbliebenen Mitglieder fand im März 1919 statt. Zahlreiche Heimatfreunde wirkten 1920 im „Ausschuss für das Herzogtum Schleswig“ mit, enthüllten 1921 eine Ehrentafel für ihre im Ersten Weltkrieg gefallenen 74 Kameraden im „Conventgarten“, gründeten die „Georg-Blösz-Stiftung, die später in „Carl-und Georg-Blösz-Stiftung“ erweitert wurde. Nach der Inflationszeit 1923 war im Januar 1924 vor allem ein neuer Aufbau der Vereinsfinanzen erforderlich, wobei der Jahresbeitrag auf 8 Goldmark beschlossen wurde. Eine unserem Verein überlassene Fahne des „Kampfgenossenvereins von 1848 / 51“ konnte dem Museum für Hamburgische Geschichte übertragen werden. Der für Mitglieder des Vereins, die Schwierigkeiten mit der Zahlung ihres Beitrages hatten, ins Leben gerufene Unterstützungsfonds sorgte alsdann wieder für eine weitere Aufwärtsentwicklung des Vereins. Die Mitgliederzahl stieg auf 2.700. Bereits 1924 fand die Einweihung eines „Schleswig-Holstein-Zimmers“ statt. Einige Mitglieder des Heimatvereins beteiligten sich 1927 an der 700-Jahr-Feier zur Erinnerung an die Schlacht von Bornhöved gegen die Dänen, betreuten im selben Jahr eine Gruppe von Deutsch-Amerikanern vom „Plattdeutschen Volksfestverein“ in Brooklyn, veranstalteten die erste große Festversammlung im Theatersaal des „Convengartens“ gedachten 1928 in den Räumen des „Trichters“ der 80. Wiederkehr des Erhebungstages „24. März 1848“, veranstalteten eine Sängerfahrt nach Wien und hielten im Oktober ihre erste Versammlung im neuen Vereinslokal „Bans Gesellschaftshaus“ (stand in der heutigen Kurt-Schumacher-Allee 10, wurde im zweiten Weltkrieg zerstört) ab, an der der bekannte Heimatschriftsteller Fritz Lau mit seinen Gedichten die Mitglieder erfreute.1929 veranstaltete der Heimatverein eine „Johann Meyer-Gedenkfeier“ aus Anlass des 100. Geburtstages des Dichters, beteiligte sich an der Einweihung des zuvor auf dem Hamburger Jacobi-Friedhof „Jungmann-Denkmals“ in Eckernförde sowie an der Einweihung des „Garbe-Gedenksteins“ im Geburtsort des Dichters in Hohnstorf/Elbe.
Seit 1929 existiert eine fast lückenlose Sammlung unserer Vereinsmitteilungen. Aus diesen Gründen können wir ab dieser Zeit auch die Entwicklung unseres Vereins sehr gut nachvollziehen.
Unser Heimatverein ist gesellig. Schwerpunkt sind Ausflüge in die nähere Umgebung, aber auch Ziele, die mit der Bahn erreichbar sind. Und man staune: Die Mitfahrt der Ehefrauen ist erwünscht!! Es fällt auf, dass der Blick auf Schleswig-Holstein nicht mehr vorrangig ist, sondern die Geselligkeit eine wesentliche Rolle spielt. Vor Ort wird ein Sommerfest mit Kinderbeteiligung veranstaltet. Es gibt einen Maskenball, Herbstball, Skatabende und es wird viel getanzt. Die Veranstaltungsräume sind über ganz Hamburg verteilt. So wurde neben den schon genannten Veranstaltungsräumen im Coventgarten, Bans Gesellschaftshaus auch in Reisners Ballsäle in Wandsbek, Sagebiels Fährhaus und im Curio-Haus gefeiert. Die Pläne zum Erwerb eines Vereinshauses scheiterten an der Ablehnung der Mitglieder.
1930 wurde das langjährige Vereinsmitglied Detlef Marxen, allerletzter Veteran aus dem Kriege 1848/51 in Böklund/Angeln zu Grabe getragen. Auf Einladung der HAPAG nahm 1931 eine Abordnung des Vereins an einem Empfang von Plattdeutschen aus New York in Cuxhaven teil.
Die Nazizeit
Mit der Einführung des Führerprinzips im Jahre 1933 hatte der Verein sich entsprechend umzustellen. Dies führte abermals zu einer Verringerung des Mitgliederbestandes. Ab sofort gab es keinen Vorsitzenden mehr, sondern nur noch einen Vereinsleiter. Der Vereinsleiter wurde nicht gewählt sondern eingesetzt und war weisungsberechtigt. Mehrheitsbeschlüsse wurden abgeschafft und jüdische Menschen und politisch Andersdenkende wurden aus den Vereinen herausgedrängt. Die Ziele wurden der NS-Zielen angepasst.
In all den bisherigen Jahrzehnten nach der Vereinsgründung bis zum 2. Weltkrieg fanden im Verein alljährlich harmonisch nett verlaufende Veranstaltungen statt, die durchweg als Ausfahrten oder Vorträge heimatkundlich-historisch ausgerichtet waren. Daneben gab es auch fröhliche Tanzabende und andere gesellige Vereinsveranstaltungen. Ab 1934 kamen erstmals große Meisterschafts-Skatabende hinzu. In den dreißiger Jahren unterstützten unsere Mitglieder auch die deutsche Minderheit und ihre Schulen in Nordschleswig mit einer Spende von rund 8.100 Büchern. Im März 1936 konnte am Wohn- und Sterbehaus des Dichters des Schleswig-Holstein-Liedes, Matthäus Friedrich Chemnitz, in der Wilhelmstraße, heute Chemnitz-Straße, eine Gedenktafel angebracht werden. Eigentümer des Gebäudes war seinerzeit unser Mitglied Hermann Folck. Die Gedenktafel konnte im 2. Weltkrieg gerettet und Mitte der fünfziger Jahre am Neubau des Sohnes Ulrich Folck wieder angebracht werden. Anzumerken ist, dass auf Initiative des damaligen langjährigen 1. Vorsitzenden Carl Blöß im Verein 1933 eine Frauengruppe gegründet wurde, mit ihm als Leiter dieser Gruppe. Den Mitgliedern der Frauengruppe konnte allerdings erst im Zuge einer Modernisierung der Satzungsbestimmungen im Jahre 1962 die Möglichkeit geboten werden, unserem Heimatverein als Vollmitglied beizutreten. In den dreißiger Jahren haben sich auch die Mitglieder des Vereins der Dithmarscher zu Hamburg unserem Verein angeschlossen. Jäh unterbrochen wurde die Arbeit unseres Heimatvereins durch den 2. Weltkrieg. Dennoch gelang es dem Vorsitzenden Carl Blöß trotz eines abermals großen Mitgliederschwundes, das Vereinsleben über die schwierigen Kriegs- und Nachkriegsjahre aufrecht zu erhalten. 1943 trat auch Emil Sievers, Leiter einer Speeldeel, mit seinen Theaterfreunden unserem Verein bei. Der Spielbetrieb dieser Gruppe musste jedoch wegen fehlenden Nachwuchses einige Jahre später wiedereingestellt werden. Im November des Jahres 1945 konnte das 50. Stiftungsfest wegen der nur kleinen Mitgliederschar in nur sehr bescheidenem Rahmen stattfinden.
Die Nachkriegszeit
Erst nach der Währungsreform im Juni 1948 durfte der Verein dann wieder einen Neuanfang starten. So wurde um 1950 herum eine Jugendgruppe gegründet, deren Vorstand unser Ehrenmitglied Claus Rumpf als Kassenverwalter bis zu der Gruppenauflösung Ende der fünfziger Jahre angehörte. 1951 starb Carl Blöß nach einer über 25jährigen Vorsitzenden-Tätigkeit. Ihm folgte Hans-Ulrich Tietz. Sein Nachfolger wurde Hans Suhr. Er führte den Verein bis 1960 und wurde von August Carstens abgelöst. Im folgte als Vorsitzender 1964 für zwölf Jahre der Kaufmann Hans Holm, zuvor langjähriger organisatorischer Leiter des Festausschusses. Unter seiner Leitung übernahm der Heimatverein im September 1965 die Patenschaft für den Deutschen Kindergarten in Rapstedt / Nordschleswig. Mit der Patenschaftsarbeit wurde Heinz Harms beauftragt. Hans Holm als Vorsitzender starb 67jährig. Als Nachfolger wurde Heinz Harms im Jahre 1976 als jüngstes Vorstandsmitglied gewählt. Zwischenzeitlich beschlossen die Mitglieder mehrfach Änderungen der Satzungsbestimmungen. Die Satzung wurde jeweils zeitgemäß angepasst. Die eigenständig agierende Frauengruppe wurde in den Gesamtverein integriert.
Das gesellschaftliche Leben mit Ausflügen, Mehrtagesreisen und Festen ging auch weiter. Die Ausrichtung nach Schleswig-Holstein bestand aber nicht mehr. Unser Verein entwickelte sich immer mehr zu einem reinen Hamburger Verein.
Seit 1976 ist Bramfeld Schwerpunkt der Aktivitäten des Heimatvereins. Im Dezember 2006 gelang es dank Unterstützung durch Spenden und handwerklicher Arbeiten einiger Mitglieder und eines Zuschusses vom Bezirksamt Wandsbek Lagerräume für Inventar, Archiv- und Bücherbestand anzumieten. Dank der ehrenamtlichen Arbeit einiger Mitglieder war es möglich, die Räume soweit herzurichten, dass ein Großteil des bisher bei drei Mitgliedern gelagerten Materials in den neuen Räumen eingelagert werden konnte.